Freitag, Juni 30, 2006

Nachlass I/1

In loser Reihenfolge veröffentlichen wir hier exklusiv den aus Skizzen, Fragmenten, Gedichten, Abhandlungen, Redemanuskripten und vorgschriebenen Pressemitteilungen bestehenden schriftlichen Nachlass des "Problembären".
gez. Huber (Nachlassverwalter)
I/1
Wie funktioniert Fernsehen?
"Da es dem König aber wenig gefiel, daß sein Sohn, die kontrollierten Straßen
verlassend, sich querfeldein herumtrieb, um sich selbst ein Urteil über die
Welt zu bilden, schenkte er ihm Wagen und Pferd. "Nun brauchst du nicht
mehr zu Fuß zu gehen", waren seine Worte. "Nun darfst du es nicht mehr",
war deren Sinn. "Nun kannst Du es nicht mehr", deren Wirkung."

Freitag, Juni 23, 2006

Sensationelle Pressekonferenz

In seinem Versteck gab der hierzulande als "Problem-Bär", "Bruno" oder schlicht "JJ1"
bekannte Bär aus Österreich eine erste Pressekonferenz. Damit beendete er für eine halbe Stunde sein wochenlanges Versteckspiel, um anschließend wieder in den umliegenden Bergen zu verschwinden. Zuvor hatte er Journalisten des bayrischen "Kreuther-Kuriers" per SMS-Botschaften an eine schwer zugängliche Stelle in der Nähe des durch die CSU-Parteitage bekannten Wildbades Kreuth gelotst.

Abfällig äußerte er sich vor der versammelten Presse in sattelfestem Bayrisch vor allem über die Fußball-Weltmeisterschaft.
Der brasilianische Trainer Carlos Alberto Parreira habe die Wahrheit gesagt, als er
den Vorwurf, seine Spieler böten keine Show mit den Worten "Damit es eine Show
wird, muss man sich mit dem Gegner einigen. Man muss ihm sagen, dass es hier kein
Wettkampf und keine Weltmeisterschaft ist. Und dass der Verlierer nicht nach Hause fahren muss."(FR, 22.06.06) kommentierte. Entweder, so "Bruno", plane man endlich die (Fußball)-produktion und ernte schöne Spiele oder man bekomme weiter "verschissene Scheißspiele". Er selbst gehe ja auch sehr geschickt vor und reisse kein Schaf oder plündere keinen Bienenstock zufällig. Dies sei auch der Grund, fügte er mit einem Lächeln hinzu, warum die "bayrischen Jäger" bisher keine Chance gehabt hätten.

Die "Frankfurter Rundschau" bezichtigte er in sachen Weltmeisterschaft der Frontberichterstattung in Nazi-Manier. Zum Beweis zitierte er aus der "Rundschau" vom 16.06.06 in der es hieß: "Mit unbändigem Willen attackierten die Deutschen fortan wie besessen die bald dezimierten Polen, die nach 75 Minuten ihren defensiven Mittelfeldspieler Radoslaw Sobolewski wegen wiederholten Foulspiels verloren und der Wucht der deutschen Angriffe nicht mehr gewachsen waren. Wie Peitschenhiebe krachten noch kurz vor Schluss Schüsse von Miroslav Klose und Michael Ballack an die Latte, die Polen wankten längst bedenklich, ehe Neuville Odonkors Flanke in der Nachspielzeit wuchtig ins Netz drückte."

Nach exakt einer halben Stunde war der Spuk dann vorbei. Der Bär legte seine freundliche Haltung gegenüber den Journalisten ab und drohte ihnen mit einer abgesägten Schrotflinte. Dabei sagte er, dass wer "die Bullen rufe", "Ärger" bekomme. Die Drohung schüchterte die Journalisten so ein, dass sie erst vier Stunden später das finnische Suchhundeteam alarmierten. Zu diesem Zeitpunkt war der Bär bereits wieder verschwunden und die Suche musste nach kurzer Zeit ergebnislos abgebrochen werden.